Fes ist die älteste Stadt der vier Königsstädte in Marokko. Sie ist seit Gründung 789 Schmelztiegel für Kulturen und Zentrum für Religion, Handel und Wissenschaft.
Hassan, unser Guide in Marrakech, hatte uns eine Telefonnummer für einen deutschsprachigen Guide in Fes gegeben. Per WhatsApp nahen wir Kontakt auf. Mohamed E. antwortete sofort. Er bot uns eine über 7 stündige Tour durch Fes an. Ein Teil würde mit dem Auto stattfinden. Für alles machten wir einen Preis von 125 Euro aus. Der Bauch zuckte etwas. Aber ok. In Marrakech hatten wir weniger bezahlt. Vielleicht hat Fes andere Tarife….
Heute Morgen um 9:30 Uhr erschien Mohamed pünktlich im Hotel. Wir stellten uns kurz vor. Der Fahrer wartete auch auf dem Parkplatz hinter dem Riad. Die Stadt war etwas weniger geschäftig, als sonst, weil heute Freitag ist. Der Freitag ist für die Moslems, wie für uns der Sonntag.
Unser erstes Ziel war das Blaue Tor, das Wahrzeichen der Stadt. Es wurde 1912 gebaut und ist DAS Tor der 14 Stadttore. Geht man hindurch, landet man in der größten Medina Marokkos. Interessanter Weise ist die andere Seite des Tors grün. Uns fiel auf, dass unser Guide uns immer wieder mit „Liebe Gäste“ und „Damen und Herren“ ansprach.
Weiter ging es über verschiedene Stationen am Palast, einer Kaserne, von der wir einen sehr guten Überblick über die Stadt bekamen, das andalusische Viertel, wieder in die Altstadt. Mittlerweile hatten wir versucht, Mohamed zu erklären, dass wir eine individuelle Tour möchten. er verwies auf TUI und Neckermanntouren, bei denen alle zufrieden gewesen seien.
Auch ein Besuch einer Keramikwerkstatt stand auf dem Plan. Khadija, die dort arbeitet, erklärte uns auf Deutsch die Fertigung der Fliesen und Gebrauchskeramik. Es ist unglaublich, unter welchen Bedingungen Mosaike entstehen. Es werden Fliesen gebrannt, die später mit Meisseln zerkleinert werden und zu Mosaiken zusammengefügt werden.
In den Schauräumen finden sich auch sehr alte Exponate, bei denen noch Kamelknochen und viel Silber verarbeitet worden sind. Das wird heute so nicht mehr angefertigt.
Wir fühlten uns, wie in einer klassischen Touri- Verkaufsveranstaltung.



Khadija erklärte uns, sie würde gerne eine Ausbildung in der Pflege in Deutschland machen. Das ist etwas, dass uns in unserem gesamten Aufenthalt hier immer wieder begegnet ist. Die jungen Leute sehen ihre Zukunft nicht in Marokko.
Nach etwa 1,5 Stunden verabschiedeten wir uns von dem Fahrer und es ging zu Fuß weiter.
In der Medina führte Mohamed uns durch Gassen, die manchmal schmaler als 0,5 Meter waren. Schauten wir nach obern, sahen wir ein Gewirr aus Balken, die die Fassaden der Häuser stützten. Irre!
Ein weiters „Must- See“ sind natürlich die Färbereien und Gerbereien von Fes. Wir bekamen am Eingang ein paar Stengel Minze in die Hand gedrückt. Dann stapften wir die Treppen zur Dachterrasse hoch. So konnten wir von oben in die Tröge schauen, in denen die Felle liegen. Der Geruch ging sogar. Wir brauchten die Minze nicht. Wir sahen die Menschen barfuß und ohne irgendwelchen Schutz der Anlage arbeiten. Man erklärte uns, es würden nur natürliche Zutaten verwendet. Daher bräuchten die Arbeiter auch keinen Schutz. 🙈
Auch hier wurden wir zum Schauen und Anfassen der Ledersachen angehalten. Wir erklärten, wir können und wollen nichts kaufen: Auf dem Motorrad ist kein Platz dafür.



Andere Stationen waren die Koranschule und die alte Universität. Sie erinnerten uns an Granada und Marrakech. Leider waren diese Stätten viel zu voll mit Touristen.
Mohamed lotse uns in das Restaurant Asmae zum Mittagessen. Natürlich gab es vorher keinen Preis. Er verschwand. Nach und nach trudelten Reisegruppen verschiedenster Nationalitäten ein. Auch eine Touri- Falle! 😡
Nach Vorspeise und Hauptgericht erklärten wir, dass wir die Rechnung möchten. Natürlich gab es nur Barzahlung. 😉 Der Kellner versuchte, uns noch Nachtisch und Tee aufzudrängen. Wir lehnten ab. Außerdem müssten wir warten, weil unser Guide noch nicht wieder da ist. Sie merkten, dass wir etwas ungehalten wurden. Plötzlich tauchte unser Guide wieder auf. Wir zahlten fast 40 Euro für ein paar Tapas 0,5 Liter Wasser und 2 Pastilla. Unglaublich! Am Abend vorher hatten wir in der Medina 3 Gänge mit Getränken und zahlten für uns beide 27 Euro.
Wir versuchten Mohamed draußen klar zu machen, dass wir uns ärgern. Er wollte oder konnte es nicht verstehen. Es wäre ein guter Preis, völlig normal. Es hätte sich noch nie jemand beschwert!
Mohamed war sichtlich ungehalten. Nächster Halt war eine Weberei, die aus Agavenfasern „Seide“ herstellt. Man zeigte uns einen Webstuhl und natürlich alle Produkte, die dort angeblich hergestellt wurden. „No, merci!“ Weiter ging´s….
Wir besichtigten noch eine Gerberei. Wieder gab es Minze in die Hand und die Treppe zur Dachterrasse. Danach wurden wir in den Verkaufsraum geschleust. Unsere stille Weigerung sorgte nicht für gute Stimmung bei unserem Guide.
Er klapperte noch ein paar Strassen mit uns ab und erklärte plötzlich, wir sollten in das Taxi steigen. Wir fahren zurück zum Riad. Oder wollen wir noch Tee am blauen Tor trinken? Wir sahen uns an und antworteten beide „NO“. So endete unsere eigentliche 7h Tour nach 4. Und alles nur, weil wir unsere Zeit nicht in irgendwelchen Shops verbringen wollten!
Im Hotel wurden wir von den Angestellten gefragt, wie unsere Tour war. Wir erzählten. Man sagte uns, eine Tour würde etwa 50 Euro kosten und wäre normalerweise keine Verkaufsveranstaltung.
Na ja, das passiert uns nicht noch Mal. Wir ärgern uns, obwohl wir das Meiste der Sehenswürdigkeiten
-wenn auch im Schnelldurchlauf- gesehen haben.
Hier ist ein kleiner Zusammenschnitt unserer Bilder des Tages:
Tolle Berichte die ihr schreibt, ich verfolge alle sehr aufmerksam.
Na mit dem Feesauftritt seit ihr ner klassischen Araberabzocke auf dem Leim gegangen. Ich organisiere mir solche Besichtigungen meist individuell. Wichtig dazu ist ein guter Reiseführer (Stefan Lose) finde ich ganz gut für Marocco. Dann noch ein paar Gespräche mit dem Hotelpersonal, die geben oft gerne gute Tipps. So kann man dahin gehen wohin man will und abends hat man noch genug Geld um richtig gut Essen zu gehen. Aber dass habt ihr nun selber erkannt. Ich wünsche euch noch ne richtig tolle Zeit und weiter mit den tollen Berichten, ich bekomme hier bei Schneematsch richtig Sehnsucht Richtung Süden. Grüße Gisbert
Hallo Gisbert,
die Tour haben wir selbst organisiert. Der Guide in Marrakech war richtig gut. Er hat uns seinen Kollegen in Fes empfohlen. 🤷♀️ Aber ok, die Stadt haben wir uns angesehen. Das wollten wir. Alles gut.
Danke für Deinen Zuspruch! Feedback ist immer gerne gesehen!
Viele Grüße
Britt & Gerald