es war nicht so einfach, einen deutschsprachigen Guide für eine Stadtführung in Marrakech zu finden. Mit einem der bekanntesten Anbieter im Netz haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Da wollten wir nicht wieder buchen. Über ein Forum bei Facebook bekamen wir dann die Telefonnummer von Hakim. Hakim hat in Deutschland studiert. Seine Seite findet man hier. Wir schrieben ihn an und verabredeten uns. Vorgestern schrieb Hakim uns, dass seine Tochter krank wäre. Er käme nicht, schickt aber seinen Kollegen.
Gestern morgen war es soweit. Wir nahmen uns ein Taxi in die Innenstadt und standen schon viel zu früh erwartungsvoll vor dem Café de France am großen Platz Djemaa El Fna. Es tummelten sich schon Händler mit verschiedensten Waren, Schlangenbeschwörer, Affenbändiger und viele andere Menschen. Das Leben pulsierte. Wir setzten uns, tranken einen Café und sahen dem Treiben zu. Es war ein buntes Durcheinander an Karren mit und ohne Esel/ Pferd, Fahrrädern, Mofas, Autos/ Taxis, Baustellenfahrzeugen und Menschen. Es gibt keine Verkehrsregeln. Dazu kamen die Gerüche von Tieren, Gewürzen, Obst/ Gemüse,…. die an uns vorbeikamen. Manches war sehr angenehm, anderes eher nicht. Es war laut.
Pünktlich um 9:30 Uhr erschien Hassan, der Kollege von Hakim. Wir machten uns auf den Weg. Unser erster Weg führte zur großen Koutoubia-Moschee. Hassan erklärte uns, dass das Erdbeben im September 2023 viele Menschen in Marokko das Leben gekostet hat. Viele Gebäude wurden zerstört oder beschädigt. Auch in Marrakech hat es viele Schäden gegeben. So auch an dieser Moschee. Sie wird gerade restauriert. Erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert und ist eine der ältesten Moscheen Marokkos.
Leider durften wir nicht in die Moschee. Rund um die Moschee liefen die Vorbereitungen für das große Gebet. Es wurden so viele Menschen erwartet, dass sie nicht alle hinein passten. Hier und in der ganzen Stadt wurden Plätze eingerichtet, an denen gebetet werden kann.
Weiter ging es. Vorbei am königlichen Palast, der von vielen Gardisten in farbenfrohen Uniformen bewacht wird, durch ein prächtiges Stadttor hinein in die Medina.

Wir liefen durch die Händlergänge der Altstadt. Auch hier fuhren noch Mofas und Fahrräder an uns vorbei. Eselskarren transportierten Baumaterial. Die engen Gassen sind für LKW zu schmal. So müssen alle Materialien per Karren transportiert werden. Überall sahen wir Baustellen, an denen die Schäden des Erdbebens beseitigt werden.
Die Geräuschkulisse, die Farben, angebotene Waren und die Gerüche überwältigten uns. So viel zu sehen und so ein Chaos! Einen kleinen Schlenker machte Hassan mit uns auch über den Hühner- und Fischmarkt.

Unsere Tour führte durch Wohnviertel und durch Gassen, in die wir ohne Hassan nicht hineingegangen wären. Wir durften auch in Häuser schauen, in denen gearbeitet wurde. Es herrschen zum Teil Bedingungen, die wir uns gar nicht vorstellen können!
Das rechte Bild zeigt den Arbeitsplatz eines Schlossers.


Aus den Souks kamen wir in das Judenviertel, wo wir für 10 Dh pro Person einen Blick in die Synagoge werfen durften. In dem einladenden Innenhof machten wir eine kleine Pause.

Der Dame auf unserem Beitragsbild begegneten wir auf unserem Weg vom jüdischen Viertel zum Palast. Sie presst Öl aus Kaktusfeigenkernen. Es ist das teuerste Öl der Welt. Man benötigt ca. 1000 Kg Kaktusfeigenkerne für 1 Liter ÖL.
Innerhalb der Stadtmauer, die 12 Km lang ist, findet man auch den Bahia Palast. Er ist nur einen Steinwurf vom jüdischen Viertel entfernt und war unser nächstes Ziel.
Ein Großwesir hat ihn Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Mix aus andalusischem und marokkanischem Stil bauen lassen und ihn nach einer seiner Frauen benannt. Übersetzt heißt „Bahia“ das Strahlende, das Schöne. Der Palast hat eine Fläche von 8 Hektar. Auf ca. 2000 Quadratmetern steht der eigentliche Palast mit eigener Moschee und Badehaus. Hier war es recht voll, als wir den Palast erreichten. Hassan hat zum Glück eine Lizenz und hat uns an einem extra Schalter schnell Karten besorgt. Der Eintritt kostet 100 Dh/ 10€ pro Person.
Wir fühlen uns sehr schnell an die Alhambra in Granada erinnert. Die Schnitzereien, Mosaike, Verzierungen und Metallarbeiten überall sind wunderschön. Der Großwesir hat viele edle Materialien verwenden lassen. Mamor aus Italien, Zedernholz für die Schnitzereien, die sogenannten Moucharabiehen, die dekorativen Gitter, die Schatten spenden und trotzdem Luft hindurch lassen. Auch die Gärten sind prunkvoll und üppig angelegt. Viele verschiedene Pflanzenarten wurden hier zusammengetragen. In verziertren Brunnen plätschert Wasser. Es ist einer der schönsten Paläste Marokkos und Unesco Weltkulturerbe.

Es ist wirklich ein schöner Ort, den man sich ansehen sollte, wenn man in Marrakech ist.
Als nächstes erwartete uns mitten in der alten Medina die Koranschule Medersa Ben Youssef. Sie wurde 1340 gegründet und ist ebenso prächtig verziert, wie der Palast. Große Teile der Innendekoration sollen gegen 1570 entstanden sein. 1960 wurde der Schulbetrieb eingestellt und eine Sanierung begann. Seit April 2022 ist das Gebäude öffentlich zugänglich. Der Eintritt beträgt 50 Dh. Wir sahen uns die Zimmer der Studenten, bestaunten die unglaubliche Handwerkskunst aus Schnitzereien, Mosaiken und Mamor. Wenn man sich überlegt, wie viele Tausende Studenten hier unterrichtet wurden in 780 Jahren!

Als wir wieder Richtung Hauptplatz schlenderten, fiel Gerald ein, dass er nochmal zu Friseur gehen könnte. Bei der Wärme können die Haare ab! 😅 Es dauerte ein paar Gänge im Souk, aber dann war ein Friseur gefunden, der auch gleich Zeit hatte. Also kamen die Haare ab!

Zum Ausklang der Tour ließen wir uns am großen Platz Djemaa El Fna auf der Dachterrasse eines Cafés nieder und ließen uns einen marokkanischen Tee und eine kalte Cola schmecken. Nach 6 Stunden und 15 Km Fußmarsch in der Wärme hatten wir uns das verdient! Hassan sagte, es gibt keine Gasse in der Medina, die wir nicht gesehen hätten. 😂
Wir hatten einen tollen Blick über die Geschehnisse auf dem Platz. Wir hörten die Flöten der Schlangenbeschwörern und sahen den Affen zu, die Purzelbäume schlugen, um Besucher anzuziehen.
Schade für uns war nur, dass auf dem großen Platz eine Baustelle ist. Abends öffnen hier normalerweise die Garküchen und die Gaukler und Artisten bestimmen das Bild auf dem bunt beleuchteten Platz. Das geht durch die Baustelle nicht. Schade. Uns hat es sehr gut gefallen und wir haben viel gesehen. Und uns fällt immer wieder auf, wie freundlich die Menschen in diesem Land sind.

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